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Das Saarland und seine Zukunft


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3 Comments so far (Add 1 more)

  1. Meine Familie (mütterlicherseits) wohnt schon seit Generationen im Saarland, und als meine Großeltern vor vierzig oder fünfzig Jahren unser Haus bauten, war in dieser Gegend keine Rede vom Bergbau. Erst recht nicht vom Bergbau unter bewohntem Gebiet in geologischen Problemzonen. Erst in den 90′ern kam dann der Bergbau zu uns.

    (Ich verstehe auch nicht, wieso Leute in den letzten Jahren in die Gegend gezogen sind… vielleicht wussten sie es nicht. Ich bin noch niemandem außerhalb der Region begegnet, der wirklich wusste oder verstand, was in Lebach abging. Genausowenig verstehe ich aber auch nicht, wieso die DSK noch junge Leute ausbildet, und ihrer Belegschaft scheinbar weismacht, dass der Bergbau ewig weitergehen wird…

    Ich denke, es ist einfach der letzte Winkel im Saarland, wo noch Kohle ist, deswegen muss man jetzt dort graben, wenn man noch graben will. Die DSK will ja bloß nicht aufhören müssen.
    Jetzt eben habe ich gelesen, dass die DSK als letzte Lösung eine Sprengung der Sandsteinplatten in Betracht zieht. Da wurde mir ganz anders.

    Strukturwandel… ach ich weiß nicht. Es geht halt nicht anders, denn den Bergbau kann man so nicht weiterführen. Den saarländischen Politikern traue ich ehrlich gesagt nicht sehr viel zu, deshalb sehe ich die Sache auch eher pessimistisch. Der erste Schritt wäre aber sicherlich, die Notwendigkeit zu akzeptieren. Stattdessen hat man jahrelang die Spaltung der Bevölkerung gefördert, und die im Bergbau Beschäftigten gegen die Bergbaugegner aufgehetzt…

    1. Anna on Februar 26th, 2008 at 19:13
  2. Genau diese geologischen Gegebenheiten waren mir auch irgendwie dumpf in Erinnerung.
    Da wir ja ursprünglich auch aus einem reinen Bergbaugebiet kommen, mein Mann jahrelang bei der RAG beschäftigt war (bis 2000), hat man damals auch schon einiges mitbekommen.
    Leider war es immer irgendwie hinte vorgehaltener Hand, es wurden vor Jahren meine ich auch sehr viele Bergleute aus dem Ruhrgebiet wegen der dortigen Zechenschließungen ins Saarland verlegt.

    Wir haben zum Glück im Jahr 2000 den Absprung geschafft und wohnen seitdem in Bayern, weitab von Bergbau Problemgebieten.

    Ich habe ehrlich gesagt damals schon nicht verstanden, als die Geologischen Probleme auch schon erörtert wurden, wieso man so fest am dortigen Bergbau festhält und ihn sogar noch subventioniert. Und wie man jetzt einen Strukturwandel in Angriff nehmen will, kann ich mir in der Praxis nun noch weniger vorstellen, als vor 10 Jahren. Die wirtschaftliche Situation Deutschlands hat sich ja massiv verschlechtert, Strukturwandel, Arbeitsplätze für alle Betroffenen werden wohl kaum mal eben aus dem Ärmel geschüttelt werden können.

    Wobei ich aber auch eines ganz ehrlich sagen muss, wir haben diejenigen noch nie verstanden, die in Gegenden Eigentum gebaut/gekauft haben, in denen Bergschäden für jeden einigermaßen normal denkenden Menschen irgendwann vorprogrammiert sind. Das war auch ein Grund, uns aus dem Ruhrgebiet und der Bergbauregion endgültig zu verabschieden.

    Wir haben zig konkrete Fälle in der Familie und im Bekanntenkreis mitbekommen, wo es hieß alles sei nun sicherer, verfüllt, es könne nichts mehr passieren. Augenwischerei war es, nichts anderes.
    Wer damals im Ruhrgebiet gebaut oder gekauft hatte, stand nicht selten vor dem Problem durch den Strukturwandel dort wirklich alles verloren zu haben, Arbeitsplatz, Eigentum usw.

    Mir macht die Entwicklung im Saarland Angst, mehr Angst als das, was man täglich über andere Entlassungswellen in den Medien hört und liest

    2. Wu-Lan-Tong on Februar 26th, 2008 at 10:54
  3. Hallo, ich bin in dem betroffenen Gebiet im Saarland groß geworden, und kann dir da vielleicht mehr erzählen. Allerdings wohne ich seit einer Weile nicht mehr im Saarland, das Beben letzte Woche habe ich nicht selbst mitbekommen.

    Die Schwere der Beben hängt, denke ich, insbesondere mit den geologischen Gegebenheiten zusammen. In der Region befindet sich im Untergrund eine Sandsteinplatte, unter der gegraben wird. Dadurch entstehen Spannungen im Sandstein, und das führt immer mehr zu Erdbeben… Ich denke, man kann sagen, dass diese Gegend sich einfach nicht zum Bergbau unter bewohntem Gebiet (!) eignet.

    Ich erinnere mich auch daran, gehört zu haben, dass die alten Stollen wegen Sparmaßnahmen nicht mehr aufgefüllt werden, aber da bin ich mir nicht 100% sicher und kenne mich auch generell nicht so gu aus…
    Aber alles in allem gehe ich davon aus, dass nur ein Minimum an Sicherheitsmaßnahmen erfüllt wurde und die problematische geologische Situation auch eher ignoriert wurde, als dass man sie auszugleichen versuchte.
    Vor einigen Jahren auf einer Sitzung hieß es auch einmal klipp und klar, dass es zu teuer wäre, etwas gegen die Erdbeben zu unternehmen.

    Aber so richtig sicher bin ich mir bei alledem auch nicht. Schließlich wurde uns Betroffenen (und der restlichen Bevölkerung des Saarlandes sowieso) niemals die Wahrheit erzählt. Anfangs wurde geleugnet, dann wurde alles heruntergespielt, und das über zehn Jahre hinweg, während die Beben immer stärker wurden. Proteste wurden totgeschwiegen, Bergaugegner und Bergarbeiter gegeneinander aufgewiegelt.

    Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie der Strukturwandel aussehen wird, und ob er glattlaufen wird. Aber eines ist klar: dass der Bergbau irgendwann aufhören muss, war schon seit Jahren vorhersehbar. Letztes Jahr erlitt eine Frau während eines Erdbebens eine Gehirnerschütterung, als Gebäudeteile auf sie fielen. An dem Tag fanden zwei Beben um die Stärke 3,5 statt! Es war wirklich nur eine Frage der Zeit, bis so etwas wie letzte Woche passierte.

    Dass man sich anässlich immer stärker werdender Beben und dieser ersten ernsten Verletzung nicht schon längst Gedanken um den Wandel gemacht hat, ist die wahre Sauerei hier. Die DSK hat jahrelang Raubbau geleistet betrieben, und zwar Raubbau an der Natur, an den Einwohnern und nicht zuletzt auch an den eigenen Mitarbeitern!

    3. Anna on Februar 25th, 2008 at 21:30

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